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TZ 27. November 2014 | 27. November 2014

TZ – Eine Familie und Ihr größter Sieg

Mein schwerer Weg zurück in die Zukunft

 Wie sich ein bayerischer Bub aus dem Drogensumpf rettete

Der Albtraum aller Eltern – für Liliane (59) und Ditmar G. (63) aus Dachau ist er erschreckende Realität geworden: Sie mussten machtlos mitansehen, wie ihr einziges Kind immer tiefer in den Drogensumpf rutschte. Er schien darin zu versinken, konnte sich aber gerade noch rechtzeitig selbst retten – mit Unterstüzung seiner Familie, aber letztlich aus eigener Kraft. Heute sind die G.’s stolz auf ihren Sohn: Christian (32) ist bereits seit einigen Jahren clean und mit seiner Lebensgefährtin Anja (30) ohne Rauschgift glücklich.

Jetzt steht der junge Mann vor dem – für ihn persönlich – letzten großen Schritt, um seine Drogenvergangenheit endgültig hinter sich zu lassen. Er bekommt in der Münchner Dentalclinic Implaneo feste dritte Zähne an einem Tag eingesetzt; sein Gebiss war unter anderem durch die Drogen fast vollständig zerstört worden. Vor der OP an diesem Freitag erzählten Christian und seine Familie der tz ihre Geschichte – auch, um anderen Betroffenen Mut zu machen: „Es lohnt sich, um die Zukunft zu kämpfen!“Andreas Beez

Der Christian ist aufgewachsen wie viele andere bayerische Buben. Bodenständig, draußen am Land in Dachau. Er stammt aus einem behüteten Elternhaus, viele seiner Freunde kennt er schon aus dem Sandkasten. In der Hauptschule machte Christian seinen Eltern keine großen Sorgen – im Gegenteil: „Wir haben uns damals noch gedacht: Mei, ist unser Sohn brav, der trinkt nie etwas und raucht ja nicht mal“, erinnert sich seine Mama Liliane.

Sein Weg durch ein – im besten Sinne – stinknormales Leben schien vorgezeichnet.

Doch dann, während seiner Lehre als Industriebuchbinder, muss Christian irgendwie von diesem Weg abgekommen sein. Warum, das weiß er eigentlich selbst gar nicht so genau: „Am Anfang habe ich es nicht mal richtig mitbekommen.“

Soviel ist klar: Die Probleme fingen mit dem „Furtgeh’n“ am Wochenende an. Mit seinen Spezln machte Christian Kneipen, Discos und Partys unsicher. „Mit 16 habe ich zum ersten Mal gekifft“, erinnert er sich – ein Joint (Haschisch-Zigarette) als klassiche Einstiegsdroge. Später warf sich Christian dann so ziemlich alles ein, was die Drogendealer so in ihrem unglücksseligen Angebot haben: Partypillen wie Speed oder Ecstasy, auch Kokain und Heroin. „Man probiert immer ein bisserl mehr. Es betäubt einen irgendwie.“

Damals wohnte Christian noch zu Hause. Er ging zwar nach wie vor regelmäßig zur Arbeit, aber die Drogenexzesse hinterließen zunehmend ihre Spuren. „Er wirkte oft müde, verkatert, benommen – so, als stünde er völlig neben der Spur“, berichtet seine Mutter Liliane. Sie schöpfte Verdacht, fand in Christians Klamotten die ersten Drogen. „Ich konnte nicht glauben, dass er sich auf dieses Teufelszeug eingelassen hat. Ich habe ihn angeschrien ihm wirklich die Hölle heiß gemacht“, erinnert sich Liliane G. „Vor meinem Mann habe ich die Sache erstmal verheimlicht. Er reagiert manchmal etwas impulsiv, ich wollte nicht, dass er sich so furchtbar aufregt.“

Die Mama versuchte es auch mit ruhigen Gesprächen, doch Christian spielte seine Sucht herunter. Aber Liliane ließ sich nicht beruhigen: Immer wieder durchsuchte sie sein Zimmer nach Drogen. „Jede Nacht lag ich wach, bis er nach Hause gekommen ist.“ Inzwischen hatte auch der Vater eine böse Vorahnung bekommen. „Ein Arbeitskollege, dessen Sohn mit Christian befreundet ist, erzählte mir im Vertrauen: ‚Ich glaube, unsere Buben haben etwas mit Drogen zu tun.‘“

Inzwischen wirkte Christian schon allein äußerlich wie ein Schatten seiner selbst: „Er war total abgemagert, wir erkannten unser eigenes Kind kaum wieder. Wir hatten Angst, ihn zu verlieren“, erzählt Liliane.

Eines Abends eskalierte die Auseinandersetzung zwischen Eltern und Sohn: „Ich habe ihn vor die Wahl gestellt – entweder du machst einen Entzug, oder du ziehst aus“, sagte die Mama. Als Chrisitian ablehnte, machte sie ernst: „Raus mit dem Schlüssel!“ Christian knallte ihn auf den Tisch und verließ das Haus.

„Dieser Moment war für mich im wahrsten Sinne des Wortes ein Schlüsselerlebnis. Ich war verzweifelt“, erinnert sich Christian. Noch in derselben Nacht stand er wieder vor der Haustür und sagte seinen Eltern: „So will ich nicht enden, ich höre auf mit den Drogen!“

Den Entzug nahm er ab dem nächsten Morgen zuhause in Angriff – ohne Arzt, auf eigene Faust. „Die ersten Tage waren eine Qual. Ich hatte Schweißausbrüche, Schüttelfrost und Gliederschmerzen.“ Aber Christian hielt durch.

Danach ging er am Wochenende erst mal nicht mehr aus und begann mit einer Psychotherapie. „Ich habe dann unter Panikattacken gelitten, wollte aber keine Tabletten dagegen nehmen – aus Angst, dass ich rückfällig werden könnte“, erinnert sich der heute 32-jährige Lagerist. Er schaffte es auch ohne Psychopharmaka, brachte seine Panik mit Hilfe von Autogenem Training und anderen Entspannungstechniken unter Kontrolle.

Allerdings: eine uralte Angst ist ihm leider geblieben – nämlich jene vorm Zahnarzt. „Ich finde es bemerkenswert, dass sich Christian trotzdem nicht von seiner Angst unterkriegen lässt“, sagt der erfahrene Implantologe Dr. Wolfgang Bolz. Gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Hannes Wachtel ist er in der Dentalclinic Implaneo unter anderem auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert.

Bei Christian sieht Dr. Bolz allerdings keine unüberwindbare Hürde: „Wer sich so mutig selbst aus einer schweren Lebenskrise gekämpft hat wie er, der übersteht eine Zahn-Operation mit links. Ich garantiere ihm: Hinterher wird er darüber lachen können – und zwar strahlend schön.“


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